8.3.2021 | Fachinformation

„Hot spots“ in Gärten: Futterstellen erhöhen Infektionsrisiko für Meisen

Im Frühjahr 2020 sind schätzungsweise 1,7 Millionen Blaumeisen deutschlandweit verendet. Bei vielen von ihnen wurde eine Lungenentzündung nachgewiesen, die sehr wahrscheinlich durch das Bakterium Suttonella ornithocola ausgelöst wurde. Forscher vermuten eine Übertragung durch Aerosole sowie durch infiziertes Speichel- und Kloakensekret. Kommen sich die Vögel an Bade- und Futterstellen zu nahe, steigt das Ansteckungsrisiko. Wie beim derzeit grassierenden Virus SARS-CoV-2 ist Social Distancing eine entscheidende Maßnahme der Infektionsprävention, erklären eine Veterinärmedizinerin und ein Pneumologe in der Fachzeitschrift „Pneumologie“ (Georg Thieme Verlag, Stuttgart. 2021). Zudem plädieren die Autoren für eine engere Zusammenarbeit von Human- und Tiermedizin. Zwar sei eine Übertragung des Bakteriums auf Menschen und Säugetiere derzeit nicht bekannt, bei SARS-CoV-2 kommen Tiere jedoch als ursprüngliche Infektionsquelle in Betracht.

In Deutschland wurde der krank machende Erreger Suttonella ornithocola erstmals im April 2018 nachgewiesen. Sowohl zu diesem Zeitpunkt als auch im Frühjahr 2020 war die Dauer des Meisensterbens, das vor allem männliche Tiere betraf, auf vier bis sechs Wochen im Frühjahr begrenzt. „Es ist anzunehmen, dass Meisenmännchen durch die Balz geschwächt und für eine Infektion anfälliger sind“, erklärt Tierärztin Dr. Sabine Merbach. Am „Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt Westfalen (CVUA)“ in Arnsberg leitet sie den Fachbereich „Diagnostik von Tierkrankheiten“. Die sezierten Tiere hatten eine höhere Blutmenge als üblich in der Lunge (Lungenkongestion) und das Gewebe war infolge einer Entzündung teilweise abgestorben. Zudem war ihr Darminhalt blutig und ihr Ernährungszustand schlecht. Der Nachweis von Bakterien im Organgewebe der Vögel, deutet daraufhin, dass viele der Tiere letztlich an einer Sepsis gestorben sind.

„Auch bei sich deutlich unterscheidenden Spezies sind häufig biologisch ähnliche Phänomene zu beobachten“, erklären Merbach und ihr Mitautor, Pneumologe Professor Dr. med. Bernd Schönhofer aus Laatzen. Bei der Meisenerkrankung durch Suttonella ornithocola und der SARS-CoV-2-Erkrankung beim Menschen sehen die Experten ebenfalls Parallelen. So seien in beiden Fällen zunächst die infektiologischen Ursachen und der zugrundliegende Erreger unbekannt gewesen. Zudem sei die Dynamik des Krankheitsgeschehens ähnlich verlaufen. „Vergleichbar mit dem SARS-CoV-2-Virus weist auch das Bakterium eine hohe Kontagiösität bei räumlicher Nähe auf.“ Daraus folgt, dass für Meisen Social Distancing ebenfalls das Mittel der Wahl ist, um eine Ansteckung zu vermeiden. Gerade im Winter und Frühjahr fütterten insbesondere Gartenbesitzer mit hohem Engagement, womit sie eventuell „Hot spots“ Vorschub leisten. Merbach und Schönhofer empfehlen deshalb, beim vermehrten Auffinden von toten Meisen Futter- und Badestellen in Parks und privaten Gärten zu beseitigen, um eine weitere Ausbreitung der Infektion unter den Meisen zu verhindern.

Auch wenn derzeit keine Gefährdung von Menschen, Säugetieren und anderen Vogelspezies durch Suttonella ornithocola zu befürchten sei, plädieren die Autoren abschließend für eine engere inter- und transdisziplinäre Zusammenarbeit von Human- und Veterinärmedizin. „Bei SARS-CoV-2 erfolgte die initiale Übertragung auf den Menschen sehr wahrscheinlich durch Tiere und hat sich schnell zu einer rasant verbreitenden primär menschlichen Infektionskrankheit entwickelt. Umgekehrt dürften Menschen den Erreger in dänische Nerzfarmen getragen und so die Tiere infiziert haben“, fassen sie zusammen. Diese Beispiele zeigten das pandemische Risiko von Infektionserkrankungen, die vom Tier auf den Menschen und umgekehrt übertragen werden können.

Quelle: Akut nekrotisierende Pneumonie bei Blaumeisen
S. Merbach und B. Schönhofer:
Pneumologie 2021; online erschienen am 8.2.2021

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